Schusswaffengebrauch im Personenschutz

In diesem Beitrag erläutere ich den Schusswaffengebrauch im Personenschutz am Beispiel eines aktuellen Ereignisses aus juristischer, sowie moralisch-ethischer Sicht. Der Beitrag richtet sich primär an Personenschützer, die aufgrund der Garantenstellung dazu verpflichtet sind, die Sicherheit ihrer Schutzperson zu gewährleisten.

Letztes Wochenende schoss der Personenschützer von Miranda Kerr einen Einbrecher nieder, der über den Zaun auf das Privatanwesen des Top-Models stieg. Der Eindringling wurde gestellt und ging anschließend mit einem Messer auf den Personenschützer los. Dieser erlitt selbst eine Stichwunde am Auge und feuerte mehrere Schüsse auf den Angreifer ab.

Voraussetzungen für den Schusswaffengebrauch

Die wohl interessanteste Frage in diesem Zusammenhang: Wann ist der Schusswaffengebrauch im Personenschutz gerechtfertigt? Der professionelle Personenschützer muss ständig abwägen zwischen rechtlichen Voraussetzungen, sowie seiner Garantenstellung gegenüber der Schutzperson.

Die Garantenstellung verpflichtet den Personenschützer per Dienstvertrag dazu, bei Bedrohungslagen aktiv einzuschreiten, um die Sicherheit der Schutzperson zu gewährleisten. Wenn nötig unter Einsatz der Schusswaffe, sofern verhältnismäßig.

Die nötige Handlungssicherheit

Am Beispiel eines Vorfalls vom 20. August 2016 in Berlin lässt sich folgender Vergleich ziehen. Ein offensichtlich geistig verwirrter Mann geht auf einer Kreuzung mit einem Kettenschloss auf Passanten los. Nach mehrmaliger Aufforderung der Polizei, seine Waffe niederzulegen geht er auf eine Polizistin zu, die daraufhin einen gezielten Schuss abgibt. Der Mann wird am Torso (Bauchbereich) getroffen und musste schwerverletzt notoperiert werden.

Voraussetzungen zur Notwehr

„Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff von sich oder einem Anderen abzuwenden“

Gegen die Beamtin wurde ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gem. §224 StGB eingeleitet. Fraglich ist, ob der Schusswaffeneinsatz in diesem Fall aus juristischer Sicht tatsächlich gerechtfertigt war, da es sich „lediglich“ um ein Kettenschloss handelte. Unklar ist, ob der Mann ein Messer bei sich führte. Sollte eine Überschreitung der Notwehr festgestellt werden ist zweifelhaft, ob die Beamtin sich darauf berufen kann.

Überschreitung der Notwehr

Berufswaffenträger wie beispielsweise Polizisten oder auch Personenschützer müssen mit solchen Risiken rechnen. Es ist daher dringend erforderlich, die notwendige Handlungssicherheit zu erlangen, um in der entsprechenden Situation die richtige Entscheidung für oder gegen einen Schusswaffengebrauch treffen zu können.

Handlungssicherheit durch regelmäßiges Training

Besonders schockierend finde ich Tatsache, dass Polizisten einmal pro Jahr auf den Schießstand müssen, um die Berechtigung zum Führen der Dienstwaffe aufrechtzuerhalten. Einmal pro Jahr ist in gar keinem Fall ausreichend. Um im Ernstfall handlungssicher zu sein, ist kontinuierliches Training nötig. Auch die mentale Vorbereitung auf mögliche Zwischenfälle hat elementare Bedeutung.

Die Niederlagen damaliger Personenschützer

Die Attentate und Anschlage der Vergangenheit haben mehr als einmal bewiesen, dass ein schneller und gezielter Schusswaffengebrauch nicht möglich war, weil die eingesetzten Personenschützer nicht handlungssicher genug waren, um eine schnelle Entscheidung für oder gegen den Gebrauch der Schusswaffe zu treffen. Aus menschlicher Sicht verständlich. Denn die Konsequenzen können bei Fehlen der rechtlichen Voraussetzungen schwerwiegend sein.

Anmerkung

In meinem Beitrag Waffen- und Munitionswahl im Personenschutz erläutere ich ebenfalls die Thematik einer empfohlenen Trainingsintensität für Personenschützer.

Folgen des Schusswaffengebrauchs

Im Folgenden einige Worte zu den möglichen Konsequenzen eines Schusswaffengebrauchs im Personenschutz. Ob berechtigt oder nicht: Personenschützer sind dazu verpflichtet, Erste-Hilfe für das Opfer zu leisten. Das mag paradox erscheinen: Jemanden das Leben retten zu sollen, der nur wenige Momente vorher versucht hat jemand zu töten?

Die Essenz beim Schusswaffengebrauch im Personenschutz auf den Punkt gebracht:

Wann immer die Schusswaffe das erforderliche und geeignete Mittel darstellt, um eine Gefahr für Leib und Leben abzuwenden – sei es von der Schutzperson oder dem Personenschützer selbst – ist der Schusswaffengebrauch ethisch-moralisch und in der Regel auch juristisch vertretbar.


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