Risikomanagement für Vermögensinhaber

Risikomanagement für Vermögensinhaber

In diesem Beitrag stelle ich das Risikomanagement für gefährdete Familien im Rahmen eines Personenschutz Einsatzes in drei Schritten vor. Nur etwa 1 Prozent des Jahresumsatzes deutscher Sicherheitsdienstleistungen wird im Personenschutz verdient. Und das hat seinen Grund: Persönliche Schutzkonzepte sind teuer. Doch wie hoch ist der Preis, wenn keine Schutzmaßnahmen getroffen werden und ein geliebtes Familienmitglied Opfer einer Kapitalentführung wird?

Risikomanagement für Vermögensinhaber

Laut World Wealth Report 2016 leben in Deutschland (Stand 2016) insgesamt 1.198.700 „Dollar Millionäre“, sogenannte High Net Worth Individuals. Das sind 58.000 mehr als noch vor einem Jahr und entspricht somit einem Wachstum von 5,1 Prozent. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz drei.

Verglichen mit der Anzahl deutscher Familienhaushalte ergibt sich eine Zahl von durchschnittlich 179.805 vermögenden Familien, die in Deutschland leben. Gemessen an der durchschnittlichen Anzahl jährlicher Kapitalentführungen im zweistelligen Bereich stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien wählen Täter Ihre Opfer aus? Die Aufgabe eines ganzheitlichen Risikomanagement für exponierte Familien ist es, mögliche Gefahren im Rahmen einer Sicherheitsberatung zu identifizieren, realistisch zu bewerten und anschließend geeignete Präventivmaßnahmen zu entwickeln, um das Restrisiko überschaubar zu halten. Die Kunst besteht darin unter Anbetracht einer wirtschaftlich sinnvollen Lösung und in Anlehnung an die persönlichen Lebensumstände (Privatsphäre) ein vertretbares Maß an Sicherheit zu gewährleisten.

Risikomanagement in drei Schritten

Operative Schutzmaßnahmen machen nur dann Sinn, wenn Schwerpunkte gesetzt werden, um die maximale Effizienz mit minimalen Mitteln zu erreichen. Deshalb müssen denkbare Risiken vor Beginn des eigentlichen Schutzauftrages im Rahmen einer Sicherheitsberatung erarbeitet werden, um eine wirkungsvolle und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösung zum Schutz der persönlichen Sicherheit zu finden.

Schritt 1: Risiken identifizieren

Im Rahmen persönlicher Interviews und Sicherheitsgespräche mit allen Familienmitgliedern werden Beobachtungen auffälliger Aktivitäten in den jeweiligen Lebensbereichen erörtert. Fahrzeuge mit ortsfremdem Kennzeichen, ohne erkennbaren Grund wiederkehrende „Spaziergänger“ im unmittelbaren Bereich ums Wohnobjekt, sowie plötzlich – über Nacht – entstandene Baustellen sind Anhaltspunkte für eine nähere Überprüfung.

Aber auch die berufliche Position oder ehrenamtliche Tätigkeiten in gewissen Konfliktfeldern müssen bewertet werden. Hat man als Entscheider die Entlassung vieler ehemaliger Angestellter zu verantworten? Setzt man sich ehrenamtlich für Themen ein, die in hohes Konfliktpotenzial mit sich bringen und anderen Gruppierungen vor den Kopf stoßen? Wie alt sind die eigenen Kinder und gehen diese zu Fuß zur Schule oder fahren sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Wie sieht es mit der lokalen Kriminalitätsentwicklung aus und wohnen verurteilte Sexualstraftäter in der Nachbarschaft? Diese Segmente müssen geprüft werden und in eine Gefährdungsanalyse einfließen, um eine realistische Bewertung vornehmen zu können.

Schritt 2: Risiken bewerten

Man sagt: Sicherheit ist in erster Linie ein Gefühl. Und das stimmt auch. Problematisch wird es dann, wenn das Sicherheitsempfinden so stark beeinträchtigt ist, dass auch in anderen Lebensbereichen keine Freiheit mehr möglich ist. ALARP ist hier das Stichwort: „As low as reasonable possible„. Sicherheitsmaßnahmen müssen auf das persönliche Umfeld der Familie angepasst werden und dürfen die Privatsphäre nicht über alle Maßen beeinträchtigen.

Risiko setzt sich zusammen aus der Wahrscheinlichkeit mit der ein unerwünschtes Ereignis eintreten kann und dem potenziellen Schadensausmaß, wenn das Ereignis eintritt. Um hier eine realistische Bewertung vornehmen zu können, ist es wichtig mit den Beteiligten eine Legende festzulegen. Risiken können beispielsweise in folgende Segmente eingeteilt werden:

  • Gefahren für Sachwerte, Kunstgegenstände
  • Gefahren für die körperliche Unversehrtheit
  • Gefahren für den guten Ruf und das Ansehen einer Familie in der Öffentlichkeit
  • Gefahren für die persönliche Freiheit, sexuelle Selbstbestimmung, etc.

Wie hoch wiegt der Verlust für den Betroffenen? Dies muss individuell beurteilt werden. Es macht wenig Sinn, nur mit Zahlen zu jonglieren und willkürlich mit einer Skala von 1 bis 10 zu arbeiten. Eine Einteilung von beispielsweise 5 verschiedenen Stufen ist sinnvoll. Am Beispiel der Schadenshöhe kann das wie folgt aussehen:

  • 1-2 = Unwesentlich
  • 3-4 = Vertretbar
  • 5-6 = Enorm
  • 7-8 = Kritisch
  • 9-10 = Lebensgefährlich

Genauso verhält es sich mit der Eintrittswahrscheinlichkeit einer potenziellen Gefahr. Hierzu ist es hilfreich Ereignisse aus der Vergangenheit zu betrachten und zu prüfen, ob Gemeinsamkeiten zu einem ähnlichen Fall bzw. ähnlichen Rahmenbedingungen bestehen.

Schritt 3: Restrisiko definieren

Sobald alle Risiken ermittelt und entsprechend beurteilt wurden wird ein vertretbares Maß an Restrisiko definiert. Durch die Darstellung in einer Matrix ist nun erkennbar, welche Risiken aus dem sogenannten ALARP-Bereich heraustreten. Diese können gemindert werden, indem entweder die Eintrittswahrscheinlichkeit gesenkt oder das Schadensausmaß begrenzt wird. Wie kann sowas aussehen?

Beispiel: Kindesentzug

Angenommen der 8-jährige Sohn der Familie verbringt zwei Samstage im Monat bei seinem leiblichen, getrennt lebenden Vater. Um der Gefahr eines Kindesentzugs durch den Vater vorzubeugen, besteht die Möglichkeit Ortungstechnik einzusetzen. Der Sohn erhält für die Aufenthaltsdauer bei seinem Vater eine spezielle Uhr mit integriertem GPS-Sender. Sobald der Sender einen vordefinierten Bereich (Geofencing) verlässt, erfolgt eine Alarmierung. Dies wäre eine Maßnahme, um das Schadensausmaß zu begrenzen, denn durch das GPS-Tracking kann der Aufenthaltsort des Kindes zeitnah ermittelt und an die Behörden weitergegeben werden.

Beispiel: Sexuelle Übergriffe

Die 8-jährige Tochter der Familie geht jeden Morgen zu Fuß zur Schule. Durch die Bildung von Gruppen mit zwei anderen Klassenkameraden wird eine erhöhte Hemmschwelle für potenzielle Sexualstraftäter gesetzt, die Kinder anzusprechen und zu manipulieren.

Eine Alternative besteht darin, verdeckte Ermittler einzusetzen, die dem Kind in angemessener Entfernung bspw. per Fahrrad oder als „Jogger“ folgen. Sollte das Mädchen von einem Fremden angesprochen werden, ist unser Ermittler / Aufklärer nun in der Lage, das Mädchen unter einem Vorwand anzusprechen, als ob er es kennen würde.

Fazit

Risikomanagement bildet einen elementaren Bestandteil im Rahmen eines Personenschutz-Auftrages. Nur wenn individuell beurteilt wird, welche Szenarien denkbar sind kann eine wirtschaftlich sinnvolle und gleichzeitig maximal effiziente Lösung erarbeitet werden. Erst dann machen weiterführende, operative Schutzmaßnahmen Sinn und sind in der Lage ihre volle Wirkung zu entfalten.

Fachliteratur passend zum Thema

Jörg H. Trauboth erhielt durch eine englische Risk Management Gruppe eine Ausbildung als Special Risk Consultant und wurde für die Bewältigung von Erpressungs-und Entführungslagen in Südamerika und Osteuropa eingesetzt. Wenig später gründete er eine eigene Beratungsfirma, mit der er sich in kürzester Zeit international einen herausragenden Ruf erwarb. Trauboth schützte seine Kunden mit einer 24 Stunden-Task Force bei Produkterpressungen, Warenrückrufen, Entführungen und Imagekrisen.

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