Personenschutz: Bewegungsprofil erstellen mit Powerpoint

Bewegungsprofil erstellen mit Powerpoint
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie mithilfe von Powerpoint ein Bewegungsprofil erstellen und welche Voraussetzungen im Umgang mit GPS Tracking gelten. Die Komponente „Aufklärung“ ist ein wichtiger Bestandteil heutiger Personenschutz-Konzepte. Dabei stellt sich folgende Überlegung: Was mache ich mit den gewonnenen Daten und wie ziehe ich daraus Rückschlüsse, die mir dabei helfen Risiken überschaubar zu halten? An dieser Stelle kommt das Stichwort „Data Mining“ ins Spiel. Data Mining meint die Aufbereitung gewonnener Daten zu verständlichem Wissen >> Wikipedia
 

Von den GPS Daten zum Bewegungsprofil

Personenschutz bedeutet Prävention. Informationen gewinnen, entsprechend ihrer Relevanz auswerten und Entscheidungen treffen, die dabei helfen, Gefahrenquellen im Vorfeld zu meiden. Ein Bewegungsprofil ist eine Maßnahme dieser Art und immer dann sinnvoll, wenn Personen entsprechend Ihrer täglichen Aktivitäten und Aufenthaltsorte überwacht werden sollen. Hierzu ist es notwendig Positionsdaten via GPS Tracking zu gewinnen und auszuwerten.

Bevor ich nun mit dem eigentlichen Thema beginne, möchte ich ein paar rechtliche und moralische Grundüberlegungen und Zusammenhänge erläutern. Unrechtmäßige Anwendung von Ortungstechnik kann Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes teuer zu stehen kommen und Sie in Extremfällen sogar hinter Gitter bringen.

Ist GPS Tracking erlaubt?

Die Überwachung von Personen ohne deren Einwilligung ist grundsätzlich verboten und wird mit Freiheits- oder Geldstrafe geahndet. Punkt. Mehr gibt es hierzu nicht zu sagen.

Ausnahme beim Überwachen der eigenen Kinder?

Bei Kindern gilt: Solange das zu überwachende Kind noch nicht volljährig ist, können die Eltern eine Zustimmung erteilen. Dies ist vor Auftragsannahme schriftlich festzuhalten. Die Frage ist, soll das Kind über die Maßnahme informiert werden oder nicht? Hier gilt es moralische und einsatztaktische Aspekte gegeneinander abzuwägen. Letztendlich ist es eine Entscheidung der Eltern und meine Aufgabe als Berater ist es, sie beratend bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Abwägen aus moralischer und einsatztaktischer Sicht

„Ich weiß nicht ob ich meinem Sohn sagen soll, dass er überwacht wird…“

So äußerte sich eine Auftraggeberin mir gegenüber vor einiger Zeit, in Hinblick auf ihr schlechtes Gewissen. Sie hatte sich für eine Überwachung via GPS Uhr entschieden.

An dieser Stelle kann ich nur jedem Elternteil raten, moralische Aspekte sorgfältig gegenüber möglicher Risiken abzuwägen. Aus taktischer Sicht macht es wenig Sinn, das Kind über die Überwachung zu informieren. Es besteht immer die Gefahr, dass die Maßnahme unterwandert wird, indem der Sohnemann das Gerät einfach ablegt oder anderweitig manipuliert. Es kommt letztendlich auf die Bedrohungslage an.

Vorgehensweise bei besonderen Bedrohungslagen

Bei exponierten Familien, die aufgrund ihrer Vermögensverhältnisse und ihres Bekanntheitsgrades als besonders gefährdet gelten, stellt sich die Frage nach Moral meines Erachtens nicht. Wer ein gewisses Maß an Sicherheit erwartet, muss eine Entscheidung treffen: Welches Rechtsgut wiegt mehr? Gerade bei einer Kindesentführung oder bei Fällen von Kindesentzug durch den getrennt lebenden Vater sind die ersten Stunden entscheidend. Wenn die Polizei dann einen Anhaltspunkt hat, wo sich das Kind befinden könnte, spart das wertvolle Zeit und kann Leben retten. Personenschutz bedeutet in erster Linie Prävention.

Schritt für Schritt zum Bewegungsprofil

Nun zum eigentlichen Thema. Angenommen Ihnen liegen die GPS Daten bspw. in folgender Form vor:

[bsp]gps_daten

Zuerst suche Sie sich die jeweilige Position auf Google Earth. Google Earth ist ein frei verfügbarer Kartendienst, den Sie sich kostenlos downloaden können. Es besteht auch die Möglichkeit, das Programm über den Internet-Browser zu nutzen.

googleearth_1

Google Earth öffnen

Wenn Sie das Programm starten, befinden Sie sich im Dashboard. Oben links geben Sie nun die vollständige Adresse der Position ein, mit der Sie starten möchten.

Google Earth zoomt dann automatisch zur ausgewählten Position in Sichthöhe heran. Sie können den Winkel und die Himmelsrichtung, sowie auch die Sichthöhe manuell nach Belieben mit der Mouse (Scrollrad) verändern.

googleearth_2

Kartenausschnitt extrahieren

Machen Sie nun einen Screenshot des Kartenausschnittes und öffnen Sie ein Grafikprogramm. Abgesehen von Klassikern wie Photoshop eignet sich hierzu Gimp.

[Downloadseite] Gimp

Es handelt sich hierbei ebenfalls um ein kostenloses Programm, das Sie sich kostenlos downloaden können. Ich übernehme hiermit keine Verantwortung für Viren oder Trojaner, die Sie sich über die genannten Downloads „einfangen“!

Kartenausschnitt speichern

Öffnen Sie das Programm Gimp und fügen Sie den Sreenshot mithilfe der Tastenkombination: „STRG + V“ ein und speichern die Datei als JPG unter: „Datei >> Exportieren als“ ab. Legen Sie sich dazu einen Ordner an, in dem Sie alle Kartenausschnitte für das Bewegungsprofil abspeichern. Das erleichtert Ihnen die weiterführende Arbeit mit Powerpoint.

Visuelle Aufbereitung der Daten mit Powerpoint

Sobald Sie alle benötigten Kartenausschnitte extrahiert und abgespeichert haben, wird es Zeit für die Visualisierung zu einem beeindruckenden und stimmigen Bewegungsprofil „in motion“. Das erreichen wir mithilfe von Powerpoint. Wählen Sie ein Design, das Ihnen zusagt und erstellen Sie die Start-Folie. Danach gehen Sie wie folgt vor.

Ersten Kartenausschnitt einfügen

Bevor Sie beginnen, gehen Sie in der Menüleiste auf „Entwurf“ und „Seite einrichten„. Wählen Sie in dem sich öffnenden Fenster das Papierformat „16:10“. Das verleiht Ihnen ein horizontaleres Format, was sich zur Darstellung einer Karte gut eignet.

powerpoint-screenshot-1

Fügen Sie nun den ersten Kartenausschnitt ein, indem Sie eine neue Folie hinzufügen und „Grafik aus Datei hinzufügen“ klicken. Wählen Sie die entsprechende Datei aus Ihrem Verzeichnis aus und skalieren Sie das Bild so nach, dass die Folie möglichst komplett gefüllt ist.

Positionsdaten auf Karte übertragen

Übertragen Sie jetzt die GPS Daten der ersten Position auf Ihre Karte. Dazu gehen Sie in der Menüleiste auf „Einfügen“ >> „Formen“ und wählen den Kreis. Ziehen Sie ihn nicht zu groß, nur so, dass die Position erkennbar ist. Gehen Sie dann auf „Format“ und wählen eine Farbe Ihrer Wahl.

Hinweis

Es macht Sinn, sich auf einige wenige Farben zu konzentrieren, um einen Wiedererkennungswert zu schaffen zwischen den verschiedenen Folien und den Betrachter (Kunde) nicht zu verwirren. Ich beginne mit einem blauen Punkt und die letzte Position eines Kartenausschnittes markiere ich mit einem roten Punkt.

powerpoint-screenshot-2

 

Ziehen Sie zur besseren Visualisierung einen zweiten und etwas größeren Kreis als „Radius“ um die eigentliche Position. Gehen Sie wieder auf „Format„, wählen als Farbe grün und klicken den Kreis mit der rechten Maustaste an. In dem sich öffnenden Fenster gehen Sie dann auf „Form formatieren“ und stellen die Transparenz auf 50% ein.

Sollte der blaue Kreis vom grünen Radius überdeckt sein, verrücken Sie die beiden Objekte und klicken mit rechter Maustaste auf den blauen Kreis. Klicken Sie in dem Auswahlmenü auf „In den Vordergrund“ stellen.

Statusmeldungen erstellen

Um dem Bewegungsprofil eine gewisse Struktur zu verleihen, erstellen Sie nach jeder Position bzw. nach jeder Handlung, die Sie visualisieren möchten eine Statusmeldung. Verwenden Sie dabei eine einfache Sprache und einen klaren Satzbau. Arbeiten Sie mit Legendierung – statt den Namen der überwachten Person zu nennen, schreiben Sie bspw.:

[Person = 01]verlässt [Objekt] um [Uhrzeit] und bewegt sich über [Position] nach [Position].

Wählen Sie nun über „Einfügen“ das Rechteck und ziehen Sie eine Box in der oberen linken Ecke der Karte, die genug Platz für ausreichend Text bietet. Füllen Sie die Form über „Format“ mit schwarz und entfernen Sie den Rahmen (Kontur). Stellen Sie unter „Form formatieren“ die Transparenz auf 40 Prozent ein.

powerpoint-screenshot-3Klicken Sie die Form mit der rechten Maustaste an und gehen auf „Text bearbeiten„. Sie haben nun die Möglichkeit eine Statusmeldung in Textform einzugeben. Wählen Sie hierfür weiße Farbe. Wie Sie im Bild sehen, können Sie die Uhrzeiten auch einfach in einer zusätzlichen schwarzen Box vor die Statusmeldung setzen. Das verleiht dem Ganzen mehr Übersichtlichkeit.

Definieren Sie die zweite Position

Wählen Sie jetzt den grünen Radius an, halten „STRG“ gedrückt und klicken anschließend auf den blauen Positionspunkt. Wählen Sie im Menü „Gruppieren„. Nun duplizieren Sie das Objekt mit „STRG + C“ und ziehen das neue Objekt (grüner Kreis + Punkt) an die entsprechende Stelle auf der Karte für die zweite GPS Position. Ich nehme an Ihr Bewegungsprofil hat mehrere Positionen. Diesen Vorgang wiederholen Sie so oft, bis Sie alle Positionen im jeweiligen Kartenausschnitt integriert haben.

So machen Sie Ihr Bewegungsprofil lebendig

Um der Bezeichnung „Bewegungsprofil“ im wahrsten Sinne des Wortes gerecht zu werden, widmen wir uns nun den Animationen. Ich gehe davon aus, dass Sie jetzt alle Positionen nach der beschriebenen Methode eingefügt haben. Schließlich geht es bei der Visualisierung darum, gewonnene Erkenntnisse im Rahmen des Personenschutz-Auftrages in einer Art und Weise aufzubereiten, dass daraus verständliche Rückschlüsse gefasst werden können.

Positionen mit Wegstrecken verbinden

Um die einzelnen Positionen miteinander zu verbinden und somit eine Bewegung zu simulieren, fügen Sie unter „Einfügen“ >> „Formen“ einen Pfeil hinzu. Diesen ziehen Sie dann logischerweise von der ersten zur zweiten Position. Geben Sie dem Pfeil eine Farbe, die sich vom Hintergrund abhebt und machen Sie ihn so breit, dass er ohne Probleme erkennbar ist. Diesen Vorgang wiederholen Sie solange, bis alle Positionen miteinander verbunden sind.

powerpoint-screenshot-4

Animationen hinzufügen in 4 Schritten

Es wird Zeit, die einzelnen Objekte sinnvoll miteinander zu verknüpfen und im Rahmen der Präsentation darzustellen. Hierzu ist ein bisschen Fein-Tuning nötig. Wer mit Powerpoint noch nicht soviel Erfahrung hat, wird sich am Anfang schwer tun. Aber es ist kein Hexenwerk! Wir haben folgende Elemente:

  • Positionspunkte
  • Statusmeldungen
  • Bewegungspfeile

Und genau in dieser Reihenfolge werden die Animationen auch ausgeführt. Dazu gehen Sie wie folgt vor:

  • Wählen Sie die erste Position mit der linken Maustaste an und gehen Sie auf „Animationen“ >> „Animation hinzufügen„. Nun öffnet sich ein neues Fenster mit mehreren Animationsmöglichkeiten. Wählen Sie die Animation „Zoom„.

powerpoint-screenshot-5

  • Herzlichen Glückwunsch: Sie haben Ihrem Bewegungsprofil die erste Animation hinzugefügt! Als nächstes wählen Sie nun die Statusmeldung-Box und gehen genauso vor. Mit dem Unterschied, dass Sie als Animation „Hineinschweben“ wählen.
  • Jetzt fehlt noch der Pfeil. Ihm geben Sie die Animation „Wischen„. Klicken Sie das Feld „Effektoptionen“ an und stellen Sie die passende Richtungsbewegung ein. Beispielsweise von links nach rechts.
  • Zum Schluss geben Sie der Position, zu der sich die Person bewegt ebenfalls eine Animation, denn schließlich soll diese Position erscheinen, sobald der Pfeil sein Ziel erreicht hat. Hierzu wählen Sie wieder „Zoom„.

Ablauf und Zeiten festlegen

Sofern Sie diese Schritte für all Ihre Objekte im jeweiligen Kartenausschnitt durchgeführt haben, ist Ihr Bewegungsprofil fast fertig. Nun müssen Sie noch die Hierarchie festlegen: Was geschieht wann, für wie lange und mit welcher Verzögerung? Keine Panik, halb so wild.

Wenn Sie alles richtig gemacht haben, sollte nun über jedem Objekt eine Zahl stehen. In unserem Beispiel von 1 bis 4. Klicken Sie nun auf das Feld „Animationsbereich“. Es öffnet sich eine Übersicht der einzelnen Animationen. Darüber befinden sich folgende Auswahlmöglichkeiten:

  • Start >> Beim Klicken, Mit Vorherigem, Nach Vorherigem
  • Dauer
  • Verzögerung

powerpoint-screenshot-6

Nehmen Sie folgende Einstellungen vor:

  • Positionspunkt (Objekt 1)

    • Start = Nach Vorherigem (1 ändert sich zu 0)
    • Dauer = 00,50
    • Verzögerung = 00,50
  • Box mit Statusmeldung (jetzt als Objekt 1 angezeigt)
    • Start = Nach Vorherigem
    • Dauer = 01,50
    • Verzögerung = 00,00
  • Pfeil
    • Start = Nach Vorherigem
    • Dauer = 01,00
    • Verzögerung = 02,00
  • Neuer Positionspunkt
    • Start = Nach Vorherigem
    • Dauer = 00,50
    • Verzögerung = 00,50

Alle Ziffern sollten nun als 0 angezeigt werden. Ihrerseits ist also während der Präsentation keine Handlung notwendig, um den nächsten Schritt einzuleiten. Der Betrachter hat ausreichend Zeit, sich die Statusmeldung durchzulesen, bis die nächste Animation startet. Ihre Präsentation ist somit vollständig.

Fazit: Bewegungsprofil

In diesem Beitrag haben Sie eine Methode kennengelernt, durch GPS Tracking gewonnene Ermittlungs- bzw. Aufklärungsdaten im Rahmen eines Personenschutz-Auftrages in eine ansehnliche Präsentation zu verwandeln. Sie visualisieren dem Betrachter damit die Vorgänge, die durch reines Lesen von Daten und Zahlen nur gedanklich vorgestellt werden könnten.

Schlusswort

Ich möchte an dieser Stelle nochmal verdeutlichen, dass ich keine Verantwortung für rechtswidrig gesammelte Daten Dritter übernehme. Achten Sie bei aller Einsatztaktik und Sinnhaftigkeit immer die Persönlichkeitsrechte Anderer und halten Sie sich an die gesetzlichen Bestimmungen, die wir (gottseidank) in unserem Rechtsstaat genießen. GPS Tracking ist ein heikles Thema und mit Vorsicht zu genießen. Beim Personenschutz von Kindern kann es allerdings ein hilfreiches Tool sein. Nicht nur bei Entführungen oder Kindesentzug, sondern auch bei viel banaleren Risiken, an die häufig niemand denkt: Kinder können sich auch verlaufen.

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